Eine eisige Herausforderung

 

Im Laufsport gibt es viele Möglichkeiten an seine Grenzen zu gehen und diese auszutesten. Die Marathonstrecke und so genannte Ultraläufe fordern den Körper ungemein und bedürfen einer ausreichenden Vorbereitung. Neben den herkömmlichen Strecken gibt es auch Läufe, die einen durch faszinierende Landschaften führen, welche aber auch gleichzeitig eine enorme Herausforderung, selbst für gestandene Marathonis darstellen können. Die Natur als Gegenspieler des kleinen Läufers, der über sich hinauswachsen muss, um zu bezwingen.

Viele werden jetzt an den Rennsteiglauf denken, eine große Populäre Veranstaltung im Thüringer Wald mit mehr als 15.000 Teilnehmern jährlich. Darum soll es hier jedoch nicht gehen, sondern um eine Reise in das kalte Sibirien. Die Rede ist vom Baikal-Eismarathon. Ein einsamer Landschaftslauf auf dem größten und tiefsten Süßwassersee der Welt. 126 Läufer aus 28 Ländern stellten sich am vergangenen Wochenende dem russischen Winter. Einer von ihnen war der Gotorunner Torsten Probst. Mit Schulz Sportreisen machten er und 16 weitere mutige Deutsche sich für acht Tage auf den Weg ins weit entfernte Sibirien.

Torsten hatte bereits vor zehn Jahren dort gearbeitet und wollte seit je her schon immer einmal zum Baikalsee. Doch die Reise beinhaltete nicht nur das Lauferlebnis auf dem schwarzen Eis, sondern auch eine Rundfahrt um den See, Eislochbaden, einen Zwischenstopp in Moskau, sowie russische Saunagänge. Wobei natürlich der Marathon und Halbmarathon auf dem See der krönende Abschluss werden würde. Für Torsten sollte es der Halbmarathon werden, in Vorbereitung auf den Rennsteiglauf am 18. Mai. Die Truppe mit der Torsten reiste, beschreibt er als sehr gut gelaunte Zeitgenossen, so dass den Russen, dass Klischee des griesgrämigen Deutschen schnell vergehen sollte. Von Bayern bis Brandenburg waren Sportbegeisterte aus ganz Deutschland mit am Start. Speziell vorbereitet hatte sich Torsten nicht, nur etwas gelaufen sei er jeden Morgen auf der Reise und habe klamottentechnisch ausprobiert, was hinsichtlich der Wetterbedingungen am sinnvollsten wäre. Am Ostufer des Sees, im Dörfchen Tanchoi gab es dann nochmal am Abend vor dem Lauf eine stärkende Pasta, laut Torsten sogar die beste Pasta überhaupt.

Am nächsten Morgen hieß es dann für die Kandidaten um sechs Uhr aufstehen und ab aufs Eis. Während hier in Brandenburg schonwieder die Krokusse aus der Erde sprießen und sich wohl in absehbarer Zeit die Menschen auf den Badewiesen sonnen, lief Torsten um 10:30 Uhr die ersten drei Kilometer knöcheltief durch kalten Schnee mit Spikes an den Schuhen, um auf dem glatten Eis nicht wegzurutschen. Hier wäre etwas mehr Lauf-ABC im Vorfeld nicht verkehrt gewesen sagt Torsten. Doch das Wetter war auf seiner Seite. Mit tagsüber null Grad hatte er vergleichsweise mit den Teilnehmern aus dem vergangenen Jahr wirklich Glück, denn diese mussten sich bei -22 Grad und eisigem Wind durchquälen. Ab Kilometer elf räumte dann ein Schneeschiebefahrzeug den Weg frei und erleichterte somit immerhin die körperliche Anstrengung etwas. Doch was vor allem mental bei diesem Lauf an einem nagt ist die Sicht. Nicht etwa wegen dichten Schneestürmen, sondern weil auf dem langen See kein Ende zu sehen ist. „Du siehst zwar irgendwann die Menschen, die am Ziel stehen, aber kannst überhaupt nicht abschätzen wie weit das noch entfernt ist und scheinst auch nicht wirklich näher ranzukommen.“

Tatsächlich schaffte es Torsten dann als Dritter ins Ziel nach etwa zwei Stunden und drei Minuten. Besonders erleichternd war es ein bereitgestelltes Luftkissenbot dort stehen zu sehen, mit dem Wissen damit jetzt den Rest bis zum Westufer nach Listwjanka fahren zu können. Als Torsten sich noch einmal umdrehte, sah er in der Ferne die Anderen, vermutlich so wie er grade noch mit dem Gedanken kämpfend wie weit das Ende wohl noch entfernt sei. Er selbst kann den Lauf nur empfehlen, es ist ein großartiges Erlebnis und Russland ist, wenn man seinen Geist fühlen kann ein wunderschönes Land. Vielleicht wagt er sich vor der 60 auch nochmal an die Marathondistanz auf dem Baikal aber zunächst geht es jetzt erstmal auf den Rennsteig.

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